Regen für Gran Canaria

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Regen ist in Las Palmas de Gran Canaria ungefähr so selten wie Hagel in Österreich oder Deutschland (wir wollen die armen Schweizer nicht vergessen). Heute spielten nach langer Zeit wieder mal alle meteorologischen Feinheiten und zusammen und ließen auf Gran Canaria binnen weniger Minuten für diese Insel unglaubliche Wassermengen niedergehen.

Weder Kanarier selbst, noch deren Strassen sind auf solche Fälle vorbereitet. Ich konnte meinen österreichischen Alpenaugen kaum trauen, als aufgrund dieses kleinen rund 10 minütigen Platzregens plötzlich (oder eher platzlich) richtige kleine Flüsse gesamte Strassenzüge unter Wasser setzten. Teilweise ging beim Verkehr gar nichts mehr außer Hupen und Fluchen.

In meiner Heimat Kärnten sind im Herbst und Frühjahr ganze Regentage keine Seltenheit - wogegen auf Gran Canaria bereits 5 Minuten ausreichen um die Einheimischen komplett aus dem Konzept zu bringen. Teilweise stehen sie schockiert und fasziniert gleichzeitig unter irgendeinem Unterstand - schaut man in ihre Gesichter könnte man meinen sie erleben gerade einen Erdbeben. Das sind aber eher die ängstlicheren Gemüter. Andere laufen wie kleine Kinder (Leute über 30) durch den Regen und lassen Freudenschreie vom Stapel, die an im Schnee spielende Kinder erinnern.

Der Gehsteig wird in Las Palmas vielleicht nur viermal im Jahr richtig feucht - aber wenn dann wird er zur wohl längsten Rutschbahn Europas. Mein heutiger Rekord beim Gehsteig-Surfen waren runde 4 Meter (jedoch mit Anlauf). Für ältere und unsportlichere Leute kann das schon mal gefährlich werden und im Krankenhaus enden.

Mittlerweile lebe ich schon mehr als 1 Jahr auf Gran Canaria und ich merke, dass sogar ich mich bereits von etwas Regen aus der Fassung bringen lasse. Der Mensch schätzt nun mal ganz einfach das mehr, was er nicht immer hat. Haben wir die Berge vor der Haustür sehnen wir uns nach dem Meer. Leben wir am Meer träumen wir nachts von frisch verschneiten Hügeln, rauschenden Gebirgsbächen und nach feuchtem Moos riechenden und vor Feuchtigkeit nur so triefenden Alpenwäldern - oder von einem warmen Sommerregen. Nun ich packte die Gelegenheit beim Schopf, holte meine Turnschuhe aus der Ecke und ging einen Strandlauf am verregneten Canteras Strand an. Schon seltsam, in Österreich wartete ich auf schönes Wetter zum Laufen und hier in Las Palmas ziehts mich bei Platzregen raus …

Am Strand keine Menschenseeele. Im Gegenteil: die sonst am rund 400 Meter vom Strand herumlungernden Möwen wagen sich bei diesen rauen Verhältnissen sogar mitten auf den Canteras Strand. Hunderte von ihnen liegen jetzt dort im Sand wo ansonsten Einheimische und Touristen in der kanarischen Sonne braten. Das Opernhaus Auditorio Kraus ist in dichte und graue Nebelmassen gehüllt. Das Meer vermischt sich am Horizont mit einem grau-schwarz von bedrohenden Unterwetterwolken. Ich laufe nur einen halben Meter von der Brandung entfernt den mehr als 3,5 Kilometer langen Strand entlang und fühle die Feuchtigkeit von allen Seiten. Von unten das Meer, von oben der Regen, welcher das Salz des Meeres aufzunehmen scheint. Man könnte meinen, dass das Meer über die dichten Regentropfen direkt bis auf meine Haut, in meine Nase und mein Gehirn reicht. Ich kann mich an jeden Tag erinnern, an dem ich bei Regen dem Meer entlang spaziert bin - sie sind ganz einfach besonders.

Ich blicke aufs Ungetüm Meer, dann auf den menschenleeren Strand - blende die Strandpromenade und deren Häuser die durch die Feuchtigkeit des Regens irgendwie älter und abgewrackter aussehen, aus. Hunderte Möwen kreisen über meinen Kopf (was mir nebenbei eine gewisse Extrement-Angst auslöst) und aus dem Wasser springt ein mir unbekannter Fisch. Einen Augenblick kann ich mir gut vorstellen, wie die Bucht von Las Palmas aussah, als sie noch nicht so hies. Als die Einheimischen “Guanchen” noch von ihren Höhlen über dem Confital Strand herunterstiegen um hier zu fischen.

Ich habe Regen gern. Besonders hier auf Gran Canaria, wo er so selten ist. Er macht sie wenn auch nur für kurze Zeit etwas freier von den gierigen Händen der Menschen, die versuchen aus ihr herauszupressen, was sie eigentlich oft gar nicht mehr her gibt.

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