Wandern Gran Canaria
Barranco Azuaje – Norden Gran Canaria
Als ich letzten Sonntag meinen Ausflug von Las Palmas in die Schlucht von Azuaje antrat, hatte ich nicht mit sowas gerechnet … Während ich die Schlucht entlang spazierte, wechselte jede 100 Meter die Vegetation und Landschaft.
Einmal war es heiss und trocken – da beherrschten Kakteen und wüstenartige Pflanzen die Szenen. Ging es hinunter bis auf den Grund der Schlucht, wurde es plötzlich feucht und schattig.
Sogar ein Kleiner Bach, welcher immer wieder in den Tümpeln zur Ruhe kam, rann zu meiner Überraschung durch die Schlucht. Das Quaken von Fröschen, Vogelgesang, das Rauschen des Windes in riesigen Eukalyptus-Bäumen, die Spiegelungen der Pflanzenwelt im glasklaren Wasser - dann wieder sengende Hitze und totale Stille … Was für ein Konstrastprogramm zum lauten und lebendigen Las Palmas!
Der Weg war gesäumt von Bananenplantagen, verlassenen Bauernhöfen (wie am Bild zu sehen), grasenden Schafen und Pferden, skurillen vulkanischen Felsformationen, exotischen Pflanzen und Palmenhainen.
Viele der angelegten Terassen werden heute leider nicht mehr bewirtschaftet. Das ist umso mehr zu bedauern, da diese Anbauflächen doch erst durch extreme Rohdung der einst dichten Lorbeerwälder der Natur entrissen wurden. Nun wird die Landschaft weder bewirtschaftet, noch aufgeforstet.
Oft tut sie mir sehr leid die Insel. Ausgebeutet, geschändet und dann wieder weggeworfen … und trotzdem ist ihre ursprüngliche, unzähmbare wild-romantische Schönheit an manchen Orten auch heute noch zu sehen.
An solchen Orten bekommt eine wage Idee von der Schönheit der Insel vor der Eroberung der Spanier – man beginnt zu verstehen, warum die Ureinwohnern sich so gegen die Eindringlinge gewährt haben und manche den Freitod einem Leben in der spanischen Zivilisation bevorzugten.
Die letzten sich tapfer wehrenden Einheimischen Krieger sollen vom Felsen Roque Bentaiga gesprungen sein (aber das ist wieder eine andere Geschichte) wahrscheinlich in weiser Vorrausahnung, dass nach der Ankunft der Spanier nichts so bleiben würde, wie es war …
Das Ende einer Welt und einer Lebensweise – wie es so oft im Laufe der Menschheit passiert ist.
Aber trotz all der weltpolitischen Veränderungen, dessen Folgen auch Gran Canaria zu Spüren bekamn, gibt es auf der Insel auch heute noch Orte, die die gleiche mystische Austrahlung haben wie vor 1000 Jahren.
Viel weniger handelt es sich hierbei um landschaftliche Schönheit, sondern ein Gefühl von Anarchie (die Anarchie der Natur), Wildheit, Zeit- und Schwerelosigkeit, das im wilden Gran Canaria in der Luft liegt.
Man wird sich bewusst: Der Moment ist das was zählt. Der Mensch und die Natur. Eine frische gepflückte Orange, eiskaltes Wasser, die Sonne auf der Haut, ein voller Magen … Das Leben könnte so einfach und wir so glücklich sein.
Wäre da nicht dieser grosse und mächtige Strom, der immer mehr an Individualität und “Anders-Denken” mit sich reisst. Werte die sanft eingestreichelt werden, regieren uns und die Welt …
Doch es gibt noch Sie noch, die gegen ihn anschwimmendene Menschen, die bald sein Ufer erreicht haben werden, um dort eine neue Gesellschaft mit neuen, alten Werten aufzubauen.
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